Joscho Stephan / Helmut Eisel Quartett

Joscho Stephan, geboren 1979 in Mönchengladbach, ist ein deutscher Jazzgitarrist, der vorwiegend modernen Gypsy Jazz spielt. Er hat sich bisher vor allem in diesem Genre als Virtuose auf der akustischen Gitarre einen Namen gemacht.

Bereits im Alter von sechs Jahren lernte Joscho Stephan das Gitarre spielen zunächst bei seinem Vater, bevor er bis zu seinem 14. Lebensjahr klassischen Gitarrenunterricht erhielt. 1993 gewann er beim Landeswettbewerb Jugend musiziert einen 1. Preis. Danach begann er sich verstärkt für Jazz und Rock zu interessieren und nahm Unterricht im Bereich Jazzgitarre. 1993 und 1995 gewann er auch zwei erste Preise beim Landeswettbewerb Jugend jazzt.

Im Gegensatz zu vielen anderen Vertretern des Gypsy Jazz (auch Zigeuner-Jazz genannt) entstammt Joscho Stephan keiner Musikerfamilie aus dem Umfeld der Sinti und Roma (wenngleich sein Großvater Rom war), sondern entdeckte erst als Jugendlicher eher zufällig die Musik des Gypsy-Jazz-Gitarristen Django Reinhardt und eignete sich dessen Stilistik als Grundlage für das eigene Solospiel autodidaktisch an. Weitere Einflüsse stammen vor allem aus dem Blues, Rock, Country und Latin Jazz.

Im Jahr 1997 trat Joscho Stephan erstmals als Newcomer beim Django Reinhardt Memorial Festival in Augsburg nennenswert in Erscheinung. Zwei Jahre später gelang es ihm, sein offizielles Debüt Swinging Strings beim Musiklabel Acoustic Music Records des Gitarristen Peter Finger zu veröffentlichen. Das Album, das insbesondere wegen der spieltechnischen Fähigkeiten des damals 20-Jährigen international Beachtung erzielte, wurde im Juli 2000 von der amerikanischen Fachzeitschrift Guitar Player zur CD des Monats gewählt. Das amerikanische Acoustic Guitar Magazine schrieb in seiner Ausgabe vom Mai 2004, Joscho Stephan repräsentiere die Zukunft der Gypsy-Jazz-Gitarre.

Joscho Stephan tourt regelmäßig international mit seinem eigenen Ensemble. Sein Hauptinstrument für die Bühne ist eine vollakustische Gypsy-Jazz-Gitarre mit D-förmigem Schallloch des deutschen Gitarrenbauers Jürgen Volkert. Sein Vater, Günter Stephan, wirkt dabei an der Rhythmusgitarre mit. Weitere feste Mitglieder seines Ensembles sind Sebastian Reimann (Violine) und Volker Kamp (Kontrabass). Joscho Stephan trat bisher auf bei vielen namhaften Jazz-Festivals sowie als Gastmusiker oder Partner an der Seite von Musikern wie Paquito D’Rivera, James Carter, Charlie Mariano, Grady Tate und Tommy Emmanuel. Mit dem Klezmer-Klarinettisten Helmut Eisel hat sich seit 2009 eine Zusammenarbeit entwickelt.

 

Günter Stephan
Mit seinem druckvollen Spiel an der Rhythmusgitarre sorgt Günter Stephan für das Fundament des Joscho Stephan Trios (bzw. bei den u.a. Erweiterungen).


Volker Kamp
Seit 2012 ist der Kontrabassist Volker Kamp der Mann für die tiefen Töne in den Gypsy Swing Ensembles von Joscho Stephan.
Geboren 1978 in Oberhausen, spielt E-Bass, Kontrabass, Posaune, Tuba und weitere Saiten- und Blasinstrumente. Er studierte von 1997 bis 2001 an der Hoogeschool voor de Kunsten Arnhem (NL) bei Lené te Voortwis, Pieter Douma und Henk Haverhoek Jazzbass und ist seitdem als freischaffender Musiker in unterschiedlichsten Zusammenhängen tätig. So arbeitet er u. a. seit 2004 regelmäßig mit FM Einheit, ist Gründungsmitglied der Lounge-Band „Trionova“ sowie des Avantgarde-Jazzorchesters „The Dorf“ und spielt seit 2012 in der Band des Gypsy-Swing-Gitarristen Joscho Stephan.

Seit 2001 ist er regelmäßig in vielen Inszenierungen als Theatermusiker am Theater Oberhausen zu hören, zuletzt in „Woyzeck“, „Wild Years“, „B.A.R. Hitparade“, „Keith Richard: Life", „Cabaret“ und „Nowhere Men“. Die Gründung der Schauspieler-Band „The MannMannMannManns“ führte ihn 2003 ans Theater Bonn, wo er seitdem an den Produktionen „A Night at the Opera“, „All Tomorrow’s Parties“ und „The Black Rider“ mitwirkte.

 

Helmut Eisel

„Ich mache keine Musik. Die Musik ist bereits da, in jedem Augenblick. Zuerst höre ich sie in meinem Inneren, dann übertrage ich sie auf meine Klarinette, um sie mit meinen Zuhörern zu teilen. Sie entsteht im Hier und Jetzt, in der lebendigen Begegnung mit einem Gegenüber. Musik ist Sprache und sagt doch viel mehr als alle Worte.“ (Helmut Eisel)

Die Idee, mit der Klarinette Geschichten zu erzählen, zu schimpfen, zu trösten, zu lachen und zu weinen… begeistert Helmut Eisel bereits seit seiner Kindheit. Als er von seinem Großvater Leo die Grundbegriffe des Klarinettespielens erlernte, entdeckte er, wie vielfältig die Ausdrucksmöglichkeiten dieses Instrumentes sind.

Während seines Mathematikstudiums spielte er in zahlreichen Jazzbands, wobei er seine improvisatorischen Fähigkeiten weiterentwickelte.

Ausschlaggebend war die Begegnung mit Giora Feidman, mit dem er seit 1989 häufig zusammen arbeitet. Von ihm lernte er die Klezmermusik und ihre tiefe spirituelle Bedeutung kennen. Sie wurde zur Inspiration für zahlreiche eigene Stücke und Improvisationen – Helmut Eisels sprechende Klarinette war geboren.Genau wie Feidman setzt Helmut Eisel seine Klarinette wie eine menschliche Stimme ein und stellt damit eine intensive Kommunikation zum Publikum her. Mittels seiner Improvisationen entstehen in seinen Konzerten sogar spontane Dialoge – mit den Mitmusikern und hier und da sogar mit den Zuhörern. Prof. Johannes Klaus, der Intendant der Domfestspiele Bad Gandersheim, setzte dieses Potential bei seiner Inszenierung des “Jedermann” 2008 mit großem Erfolg ein: er ließ Helmut Eisel die Rolle des “Todes” fast ausschließlich auf der Klarinette spielen.

Helmut Eisel gilt heute als einer der besten und interessantesten Klezmer-Klarinettisten Europas. Aus den Wurzeln von traditioneller Blasmusik, Jazz, Klezmer und Klassik hat er einen ganz eigenen, unverwechselbaren Stil entwickelt. Dabei ist die Kommunikation zwischen den Musikern, aber auch mit dem Publikum stets ein wichtiges Anliegen.